Hochkarätige Referenten virtuell beim Mitgliedertreffen des Parkinson-Forums Kreis Steinfurt e. V.

Aufmerksame Zuhörer während der Vorträge

„Natürlich hätten wir Prof. Dr. Tobias Warnecke und seinen Kollegen Dr. Nils Warneke vom UKM gerne persönlich hier begrüßt“, betonte Reiner Krauße, Vorsitzender des Parkinson-Forums Kreis Steinfurt e. V., während des Mitgliedertreffens der Selbsthilfeorganisation. „Wegen Corona ging das aber nicht.“ Aufgeben kam für Reiner Krauße und seine Vorstandskollegen aber nicht in Frage. „Dann holen wir die Beiden eben virtuell zu uns.“ Und die technische Unterstützung durch Holger Wermers, als zweiter Webmaster für das Forum aktiv, machte dies tatsächlich möglich. „Das ist auch für mich die erste derartige Veranstaltung mit einer Selbsthilfegruppe. Sensationell, dass das so klappt“, strahlte Professor Warnecke, Oberarzt der Neurologie in der UKM, von der Leinwand im Saal von Börger in Borghorst. So erfuhren die rund 70 anwesenden Mitglieder in seinem Referat live online, welche Augenprobleme Morbus Parkinson verursachen kann. Dabei erläuterte er zum Beispiel, dass Symptome wie trockene Augen, verminderte Sensibilität der Hornhaut, Grüner Star, visuelle Halluzinationen, Blendempfindlichkeit der Pupille oder eine verminderte Kontrastsensivität und eine gestörte Farbdiskriminierung zum Teil früh auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen können. „Wo fängt Parkinson an?“, fragte der Neurologe und erläuterte verschiedene Typen und Subtypen der Krankheit. „Oft wird übersehen, dass Sehstörungen von Parkinson kommen“, beklagt er und fordert: „Wir müssen mehr Augenärzte für unser Parkinson-Netzwerk gewinnen und für diese Zusammenhänge sensibilisieren.“

v.l.: Prof. Dr. Tobias Warnecke, Dr. Nils Warneke

Dr. Nils Warneke, Oberarzt UKM-Klinik für Neurochirurgie, brachte die Teilnehmer anschließend auf den neuesten Stand zum Thema Tiefenhirnstimulation, indem er unter anderem hierzu vorab erhaltene Fragen beantwortete. Warum so lange warten? Wo erfolgt eine Neueinstellung, ambulant oder stationär? Wie lange dauert eine Einstellung? „Wichtig vor einer OP sind unbedingt entsprechende Voruntersuchungen“, betonte der Chirurg und verwies darauf, dass nach der Implantation des Gehirnschrittmachers zirka ein Jahr für dauerhafte Einstellungen anzusetzen sind. „Das Gehirn muss sich erst an die Stimulation gewöhnen.“

„Wieso sehe ich Doppelbilder“, fragte Willi Jürgens aus Emsdetten die virtuell zugeschalteten Mediziner.

Souverän gelang es den beiden Medizinern, die Fragen zu beantworten und die oft komplexen Zusammenhänge von ihrem improvisierten Studio in Münster aus verständlich zu vermitteln. „Ihr habt alles perfekt erklärt“, dankte ihnen denn auch der Forum-Vorsitzende zum Abschied.

„Tolle Premiere. Super gelungen“, so der einhellige Tenor am Ende der Veranstaltung, bei der andere Informationen fast zur Nebensache gerieten. Denn Krauße hatte zu Beginn der Veranstaltung trotz Corona durchaus weitere positive Nachrichten im Gepäck. „Wir haben aktuell 443 Mitglieder. Allein vom 1. Januar bis heute verzeichneten wir 61 Neuaufnahmen.“ Corona hätte zwar leider dafür gesorgt, dass die Weihnachtsfeier dieses Jahr ausfiele, aber mit dem Vortrag des Kardiologen Dr. med. Christian Fechtrup über „Perspektive der Herzmedizin in den nächsten Jahren“ stehe am 11. November noch ein sehr interessantes Thema auf der Agenda.

Fotos und Bericht Rainer Schwarz (sch)

Mehr Info:

→ Prof. Dr. Tobias Warnecke, Sehstörungen/Augenprobleme als Symptom der Parkinson-Krankheit
(Powerpointpräsentation, 21 Seiten, PDF)