Parkinson-Forum Kreis Steinfurt e. V. besucht Vortragsveranstaltung im UKM

Ein THS Patient berichtet.

„Ich hatte direkt ein schlechtes Gewissen, weil es mir nach der OP so gut ging.“ Auf dem Podium im großen Hörsaal L10 des UKM steht ein auf den ersten Blick völlig gesunder Mensch neben Prof. Dr. med. Tobias Warnecke, Oberarzt der Klinik für Neurologie, und seiner Mitarbeiterin Verena Zentsch. Mit launigen Worten berichtet er vor über 400 Parkinson-Patienten und Angehörigen, davon unter anderem über 80 Mitglieder aus dem Parkinson-Forum Kreis Steinfurt, von einer OP, die sein Leben drastisch veränderte. Er sei an Parkinson erkrankt und derzeit nur dank der ‚Tiefen Hirnstimulation‘ in der Lage ein relativ normales Leben zu führen. „Bei meiner Untersuchung stellte sich schnell heraus, dass ich der ideale Patient dafür bin.“ Dass diese Methode leider nicht für jeden in Frage komme, betonen Warnecke und Zentsch. „Falls ja, sollten Betroffene nicht zu lange warten. Aber es bleibt eine individuelle Entscheidung“, so Zentsch, die detailliert erläutert, welche sogenannte Hirnschrittmacher es gibt, wann man sich operieren lassen sollte, wie so eine OP abläuft und welche Zukunftsperspektiven sich derzeit auf diesem Gebiet abzeichnen.

Vortrag „Hypes rund um Heilung“.

„Was gibt es Neues?“ hatten Professor Warnecke und sein Team den im Zweijahresrhythmus stattfindenden Parkinsonnachmittag am UKM überschrieben. So ging der Wissenschaftler unter anderem darauf ein, dass sich auf dem Gebiet der Medikamentösen Therapie die Bedeutung von L-Dopa sowohl für die Behandlung der Patienten als auch für die Parkinson-Forschung geändert habe. „Im Gegensatz zu früherer Meinung ist jetzt erwiesen, dass eine niedrigdosierte L-Dopa-Therapie frühzeitig begonnen werden kann.“ Wie später Dr. med. Inga Claus in ihrem Referat, warnte Warnecke vor Hypes in der Therapie. „Cannabis ist nicht die Lösung aller Probleme.“ Aber auch andere in den Medien hochgelobte „Wundermittel“ wie Grüner Tee, bulgarischer Joghurt oder Akkupunktur entlarvte Claus als Unsinn und kritisierte den „völlig überzogenen Hype“. Wenn das Wort „heilt“ auftauche, sei generell Vorsicht geboten. Klinische Forschung sei mühsam und erfolge in vielen kleinen Schritten, so Warnecke. Gäbe es eine Wundertherapie, so wäre diese bekannt.

Volles Haus im UKM.

Sehr positiv beschreibt Warnecke die Bildung von Netzwerken wie in Holland oder im Münsterland. „Das ermöglicht Therapien, die auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sind. Denn in die Pflege von Parkinson-Patienten seien sehr viel Beteiligte eingebunden. „Die Netzwerke sind extrem effektiv. Sie verbessern die Versorgung und senken gleichzeitig die Kosten“, bestätigen auch Lena Frenz, Sigrid Ahring und Isabelle Stickdorn, die über die aktivierenden Therapien Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie informieren. „Aktiv sein ist wichtig. Man kann in jedem Stadium trainieren“, weiß auch Rudolf Hege, der selbst betroffen ist und Richard von Weizsäcker als sein großes Vorbild in Sachen Fitness im Alter nennt.

Dass ein selbstbewusster und humorvoller Umgang mit dieser Krankheit möglich ist, beweist schließlich Franz Spanke, der zu seinem Leiden zwei eindrucksvolle Gedichte verfasst hat. Eines davon endet sehr direkt: „Parkinson, du kannst uns mal.“

Reiner Krauße bedankte sich bei Prof. Warnecke und seinem Team für die gut organisierte und informative Vortragsveranstaltung. Ebenso bedankte er sich bei Simone Heinike und Raphael Bertram vom Deutschen Roten Kreuz, Ortsverein Burgsteinfurt, für die Begleitung und Betreuung der Teilnehmer.

Fotos und Bericht: Rainer Schwarz

Fazit

Dr. Hans Wille, Vorsitzender im Parkinson-Forum Unna e.V.
„Es war ein sehr interessanter Nachmittag“. Wir sind in hervorragender Stimmung nach Hause gefahren.Wenn es aktuelle Trends, Forschungen sowie weitere Informationen über Behandlungsmöglichkeiten gibt, sind wir immer gerne dabei.

Reiner Krauße, Vorsitzender im Parkinson-Forum Kreis Steinfurt e.V.
Ein höchst informativer Parkinsonnachmittag am Universitätsklinikum Münster. So haben es auch unsere Mitglieder gesehen. Es hat sich gelohnt. Bedauerlich dass viele aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnten.

Jürgens Thoms, berichtet:
Für mich als Nichtbetroffener dieser Krankheit, ein spannender Tag.
Artikel auf www.lokalkompass.de/unna/

Ein Dank gilt auch der IKK classic, die sich im Rahmen der Projektförderung an den anfallenden Buskosten beteiligte.

Eine Kaffeepause tut gut.
Prof. Warneke mit Referenten und Teilnehmern.

Mehr Information:

→ Tobias Warnecke: Neue Entwicklungen der Parkinson Therapie
(Powerpointpräsentation, 40 Seiten, PDF)

→ Verena Zentsch: Neues zur Tiefen Hirnstimulation – Der Patient im Fokus!
(Powerpointpräsentation, 41 Seiten, PDF)